Wissenschaft und geistige Gesundheit

La red√©¬≠fi¬≠ni¬≠tion actuelle de la mala¬≠die entra√ģne [‚Ķ] ¬ę une tran¬≠si¬≠tion du corps phy¬≠sique vers un corps fis¬≠cal ¬Ľ. En effet, les cri¬≠t√®res s√©lec¬≠tion¬≠n√©s qui classent tel ou tel cas comme pas¬≠sible de soins cli¬≠ni¬≠co-m√©di¬≠caux sont en nombre crois¬≠sant des para¬≠m√®tres finan¬≠ciers.1

2001 schon warnte die Welt­ge­sund­heit­sor­ga­ni­sa­tion (WGO) in Zusam­me­nar­beit mit der Oxford Uni­ver­si­ty und der Welt­bank, dass 25% der Welt­bevöl­ke­rung, also jeder vierte Erden­be­woh­ner, Pro­bleme mit der geis­ti­gen Gesund­heit habe. Ten­denz steigend.

Dass diese erschre¬≠ckende Pr√§¬≠va¬≠lenz der Geis¬≠tes¬≠kran¬≠khei¬≠ten ‚Äď oder poli¬≠tisch kor¬≠rek¬≠ter : der geis¬≠ti¬≠gen St√∂¬≠run¬≠gen ‚Äď irgend¬≠wie in Ver¬≠bin¬≠dung mit sozio√∂¬≠ko¬≠no¬≠mi¬≠schen Fak¬≠to¬≠ren und Katas¬≠tro¬≠phen steht, wird zwar im Welt¬≠be¬≠richt erw√§hnt aber nicht wei¬≠ter kom¬≠men¬≠tiert. Nicht kom¬≠men¬≠tiert und nicht ein¬≠mal erw√§hnt wird die viel¬≠leicht auch nicht nebens√§¬≠chliche Tat¬≠sache, dass seit 1952 ganze 413 ‚Äěpsy¬≠chi¬≠schen St√∂¬≠run¬≠gen‚Äú hin¬≠zu¬≠ge¬≠kom¬≠men sind. 

Hat¬≠ten ein Psy¬≠chia¬≠ter oder ein Psy¬≠cho¬≠loge vor 60 Jah¬≠ren die M√∂gli¬≠ch¬≠keit eine Per¬≠son auf 128 Wei¬≠sen als ‚Äěkrank‚Äú oder ‚Äěgest√∂rt‚Äú ein¬≠zus¬≠tu¬≠fen, so haben die¬≠sel¬≠ben seit 2013 beein¬≠dru¬≠ckende 541 m√∂gliche Diag¬≠no¬≠sen zu ihrer Verf√ľgung. 

Alleine zwi¬≠schen 2000 und 2013 hat die Ame¬≠ri¬≠ka¬≠nische Psy¬≠chia¬≠trische Verei¬≠ni¬≠gung 158 neue ‚ÄěSt√∂¬≠run¬≠gen‚Äú zur offi¬≠ziel¬≠len Liste hin¬≠zu¬≠gef√ľgt.2

Auf der einen Seite sollte man also den¬≠ken, dass geis¬≠tige Kran¬≠khei¬≠ten von sol¬≠chen Klas¬≠si¬≠fi¬≠zie¬≠rung¬≠ssys¬≠te¬≠men rein objek¬≠tiv ‚Äöbes¬≠chrie¬≠ben‚Äė wer¬≠den. Mit ande¬≠ren Wor¬≠ten : geis¬≠tige Kran¬≠khei¬≠ten exis¬≠tie¬≠ren als Entit√§¬≠ten ganz unabh√§n¬≠gig von jeder Glie¬≠de¬≠rung und Auf¬≠tei¬≠lung, los¬≠gel√∂st von allen Theo¬≠rien oder Nor¬≠men, √§hn¬≠lich wie nat√ľr¬≠liche Objekte in der Welt, die von unse¬≠rer Anschauung nicht im gering¬≠sten tan¬≠giert werden.

Und auf der ande¬≠ren Seite scheint es zwar einen Zusam¬≠men¬≠hang zwi¬≠schen die¬≠sen Kran¬≠khei¬≠ten und der Au√üen¬≠welt zu geben, aber die Frage der Gesund¬≠heit betrifft dann trotz¬≠dem an ers¬≠ter Stelle uns selbst, unse¬≠ren Geist, unser innerstes Selbst. Wenn es um Gesund¬≠heit geht, k√∂n¬≠nen und sol¬≠len wir dann trotz¬≠dem von der Welt abse¬≠hen und unse¬≠ren Blick alleine auf den Ort der Erschei¬≠nung von ‚ÄöKran¬≠kheits¬≠zei¬≠chen‚Äė, auf unser Innen¬≠le¬≠ben einschr√§nken.

Und f√ľr diese geis¬≠tige Gesund¬≠heit gibt es heute √ľber 300 soge¬≠nannte wis¬≠sen¬≠schaft¬≠liche Psy¬≠cho¬≠the¬≠ra¬≠pie¬≠for¬≠men.3 Wis¬≠sen¬≠schaft¬≠liche Psy¬≠cho¬≠the¬≠ra¬≠pien sind The¬≠ra¬≠pien, die unsere pers√∂n¬≠li¬≠chen geis¬≠ti¬≠gen Pro¬≠bleme mit gr√∂√ütm√∂¬≠gli¬≠cher Wirk¬≠sam¬≠keit und Kos¬≠te¬≠nef¬≠fi¬≠zienz l√∂sen, damit wir wie¬≠der zu st√∂¬≠rung¬≠sfreien Mitb√ľr¬≠gern und Mitar¬≠bei¬≠tern werden.

Was auch immer Wis¬≠sen¬≠schaft hier hei√üt, der psy¬≠cho¬≠lo¬≠gische Schl√ľs¬≠sel¬≠reiz der alleine vom Wort ‚ÄěWis¬≠sen¬≠schaft‚Äú aus¬≠geht d√ľrfte schwer zu √ľber¬≠sch√§t¬≠zen sein. Denn das Ert√∂¬≠nen des Wortes ‚ÄěWis¬≠sen¬≠schaft‚Äú schlie√üt in der Regel jedes wei¬≠tere Nach¬≠den¬≠ken aus und ersetzt es mit dem ehrf√ľrch¬≠ti¬≠gen Gef√ľhl, dass alles in bes¬≠ter Ord¬≠nung ist.

Wie aber sehen diese wis¬≠sen¬≠schaft¬≠li¬≠chen Ret¬≠tungs¬≠mit¬≠tel aus ?

Im Prin¬≠zip ist eine Psy¬≠cho¬≠the¬≠ra¬≠pie dann wis¬≠sen¬≠schaft¬≠lich, wenn sie bei wohl nor¬≠mier¬≠ten Ver¬≠su¬≠chen und anhand von sehr kur¬≠zen Serien von the¬≠ra¬≠peu¬≠ti¬≠schen Inter¬≠ven¬≠tio¬≠nen nach¬≠wei¬≠sen kann, dass eine beo¬≠bacht¬≠bare ‚ÄėVer¬≠bes¬≠se¬≠rung‚Äô eines ung√ľns¬≠ti¬≠gen Aus¬≠gang¬≠szus¬≠tandes statt¬≠fin¬≠det. Beo¬≠bacht¬≠bar ist diese Ver¬≠bes¬≠se¬≠rung aller¬≠meis¬≠tens aber nur vom sub¬≠jek¬≠ti¬≠ven Emp¬≠fin¬≠den des Pro¬≠ban¬≠den selbst, nicht von der die Mes¬≠sung ausf√ľh¬≠ren¬≠den ‚ÄöWis¬≠sen¬≠schaft¬≠lern‚Äė.

Da diese sub¬≠jek¬≠ti¬≠ven √Ąnde¬≠run¬≠gen immer gleich meh¬≠rere Erkl√§¬≠run¬≠gen zulas¬≠sen k√∂nn¬≠ten (wie sollte man, z.B. den Impakt der Gef√§l¬≠lig¬≠keit oder Gehor¬≠sam¬≠keit gegen√ľ¬≠ber Auto¬≠rit√§¬≠ten in sol¬≠chen Kon¬≠fi¬≠gu¬≠ra¬≠tio¬≠nen √ľber¬≠zeu¬≠gend aus¬≠schlie√üen), da diese Sub¬≠jek¬≠ti¬≠vit√§t der von Pro¬≠ban¬≠den selbst-berich¬≠te¬≠ten Befunde also prin¬≠zi¬≠piell nie ein¬≠deu¬≠tig ist, wer¬≠den die wis¬≠sen¬≠schaft¬≠li¬≠chen Ans¬≠pr√ľche schon alleine beim Ver¬≠mes¬≠sen von Wir¬≠kun¬≠gen aufs emp¬≠find¬≠lichste strapaziert. 

Abhilfe sol¬≠len hier quan¬≠ti¬≠fi¬≠zierte Ein¬≠sch√§t¬≠zun¬≠gen von nume¬≠ri¬≠schen Lei¬≠dens-Ska¬≠len und Fra¬≠ge¬≠bo¬≠gen schaf¬≠fen. Dadurch, dass die berich¬≠te¬≠ten Emp¬≠fin¬≠dun¬≠gen in Zif¬≠fern √ľber¬≠setzt wer¬≠den und die sub¬≠jek¬≠tive Varia¬≠bi¬≠lit√§t auf stan¬≠dar¬≠di¬≠sierte, vor¬≠for¬≠mu¬≠lierte Ant¬≠wor¬≠ten ein¬≠ged√§mmt wer¬≠den, soll dort Objek¬≠ti¬≠vit√§t ges¬≠chaf¬≠fen wer¬≠den wo zur Sub¬≠jek¬≠ti¬≠vit√§t der Befunde eigent¬≠lich noch k√ľnst¬≠liche √úber¬≠set¬≠zung¬≠spro¬≠bleme und gez¬≠wun¬≠gene Anglei¬≠chun¬≠gen hinzukommen. 

Wie dem auch sei begrenzt sich Wis¬≠sen¬≠schaft hier auf eine Tech¬≠nik der Vorher-Nach¬≠her-Mes¬≠sun¬≠gen eines sub¬≠jek¬≠ti¬≠ven Emp¬≠fin¬≠dens von spe¬≠ziell f√ľr die¬≠sen Zweck auser¬≠le¬≠se¬≠nen Probanden. 

Die wis¬≠sen¬≠schaft¬≠li¬≠ch¬≠keit einer Psy¬≠cho¬≠the¬≠ra¬≠pie ents¬≠teht aus einer stan¬≠dar¬≠di¬≠sier¬≠ten Pro¬≠ze¬≠dur, die Ver¬≠gleiche zwi¬≠schen den ver¬≠schie¬≠dens¬≠ten Psy¬≠cho¬≠tech¬≠ni¬≠ken im Hin¬≠blick auf beo¬≠bacht¬≠bare √Ąnde¬≠rung erlaubt. Sie ist eine Tech¬≠nik des Inven¬≠tars quan¬≠ti¬≠fi¬≠zier¬≠ter und durch kurz¬≠zei¬≠tige Anwen¬≠dun¬≠gen von Psy¬≠cho¬≠tech¬≠ni¬≠ken her¬≠vor¬≠ge¬≠brach¬≠ter Ver√§n¬≠de¬≠run¬≠gen, die sich sta¬≠tis¬≠tisch abz√§h¬≠len und dars¬≠tel¬≠len las¬≠sen. Anders gesagt : Wis¬≠sen¬≠schaft ist hier eine Tech¬≠nik, die den Erfolg von Tech¬≠ni¬≠ken bemisst. 

Die Tat¬≠sache, dass Wis¬≠sen¬≠schaft ein¬≠mal dadurch defi¬≠niert wurde, dass sie sich um Erkl√§¬≠run¬≠gen bem√ľhte, dass sie Erkl√§¬≠rung¬≠shy¬≠po¬≠the¬≠sen und Modelle kons¬≠truierte und Wis¬≠sen durch das Erken¬≠nen und Ers¬≠tel¬≠len von kau¬≠sa¬≠len Zusam¬≠menh√§n¬≠gen erwei¬≠terte oder in Frage stellte, scheint in die¬≠sem Zusam¬≠men¬≠hang l√§ng¬≠st ver¬≠ges¬≠sen. In der wis¬≠sen¬≠schaft¬≠li¬≠chen Psy¬≠cho¬≠the¬≠ra¬≠pie wurde Wis¬≠sen¬≠schaft auf sta¬≠tis¬≠tische Qua¬≠lit√§ts¬≠si¬≠che¬≠rung umfunktioniert.

Mit die¬≠ser Umwand¬≠lung geht die neue ‚ÄöWis¬≠sen¬≠schaft‚Äė der Psy¬≠cho¬≠the¬≠ra¬≠pie noch einen ent¬≠schei¬≠den¬≠den Schritt wei¬≠ter als jeder bisher bekannte Posi¬≠ti¬≠vis¬≠mus. Selbst der h√§r¬≠teste der moder¬≠nen Posi¬≠ti¬≠vis¬≠men, der Sen¬≠sua¬≠lis¬≠mus, begn√ľgte sich nie mit der Aufz√§h¬≠lung ein¬≠fa¬≠cher Sin¬≠ne¬≠sein¬≠dr√ľcke. Auch hier galt das Beo¬≠bacht¬≠bare stets nur im Hin¬≠blick auf ein Wis¬≠sen, das √ľber das fests¬≠tel¬≠lende Wis¬≠sen-dass hinaus auf ein Wis¬≠sen-warum abzielt. Wis¬≠sen¬≠schaft hebt zwar mit der Beo¬≠bach¬≠tung an, begrenzt sich aber nie auf die Beobachtung. 

Die Gr√ľnde weshalb die¬≠ser neue Posi¬≠ti¬≠vis¬≠mus eine nicht-theo¬≠re¬≠tische und sogar anti-theo¬≠re¬≠tische Rich¬≠tung annahm k√∂n¬≠nen nur erra¬≠ten wer¬≠den, da er zwar von allen neuen Psy¬≠cho¬≠the¬≠ra¬≠pie¬≠wis¬≠sen¬≠schaft¬≠lern √ľber¬≠nom¬≠men, aber nie aus¬≠for¬≠mu¬≠liert oder sogar reflek¬≠tiert wurde. 

Faden¬≠schei¬≠nige Argu¬≠mente von der Art, dass Theo¬≠rien eigent¬≠lich immer nur ver¬≠kappte oder vers¬≠teckte Ideo¬≠lo¬≠gien sind, und Ideo¬≠lo¬≠gien in der Wis¬≠sen¬≠schaft kei¬≠nen Platz haben sind bes¬≠ten¬≠falls zir¬≠kul√§r. Auch erkl√§¬≠ren sie in kei¬≠ner Weise weshalb Wis¬≠sen¬≠schaft gerade das Wis¬≠sen einer blin¬≠den, tech¬≠ni¬≠schen Effi¬≠zienz opfern sollte. 

Die Kon­se­quen­zen die­ser Umwand­lung der Wis­sen­schaft in inhalts­lose Wir­kung­sin­ven­tare sind leich­ter zu fas­sen. Als Qua­litäts­kon­trolle der Wirk­sam­keit ver­schie­de­ner The­ra­pie-Tech­ni­ken, kann die Wis­sen­schaft sowohl von der Art des Ein­griffs wie von sei­ner spe­zi­fi­schen Wir­kung­sweise abse­hen. Als Tech­ni­ken wer­den Psy­cho­the­ra­pien also beliebig.

Daher fin¬≠den sich im Kata¬≠log der wis¬≠sen¬≠schaft¬≠li¬≠chen Psy¬≠cho¬≠the¬≠ra¬≠pien die denk¬≠bar unter¬≠schied¬≠lichs¬≠ten Metho¬≠den in per¬≠fek¬≠ter wis¬≠sen¬≠schaft¬≠li¬≠cher Gleichg√ľl¬≠tig¬≠keit. Denn wenn es ums Funk¬≠tio¬≠nie¬≠ren geht, sind alle the¬≠ra¬≠peu¬≠ti¬≠schen Metho¬≠den selbst nur noch belie¬≠bige Mit¬≠tel zu einem ein¬≠zi¬≠gen, vor¬≠bes¬≠timm¬≠ten Zweck. Und nur das Errei¬≠chen dieses einen Zwecks bes¬≠timmt den Sinn der auf¬≠ge¬≠brach¬≠ten Mittel.

Von der Denk¬≠feh¬≠ler-The¬≠ra¬≠pie zur kon¬≠zen¬≠trier¬≠ten Gedan¬≠ken¬≠lo¬≠sig¬≠keit der Acht¬≠sam¬≠keits¬≠the¬≠ra¬≠pie, von der Verhal¬≠tens¬≠kor¬≠ri¬≠gie¬≠rung zur Akzep¬≠tanz- und Verp¬≠flich¬≠tungs¬≠the¬≠ra¬≠pie, von der pro¬≠gres¬≠si¬≠ven Mus¬≠ke¬≠lents¬≠pan¬≠nung zur Jog¬≠ging¬≠the¬≠ra¬≠pie, ja sogar von der alt¬≠mo¬≠di¬≠schen Psy¬≠cho¬≠ana¬≠lyse hin bis zur post¬≠mo¬≠der¬≠nen nar¬≠ra¬≠ti¬≠ven The¬≠ra¬≠pie kann alles was eine Ver√§n¬≠de¬≠rung unter kon¬≠trol¬≠lier¬≠ten Bedin¬≠gun¬≠gen nach¬≠zei¬≠gen als wis¬≠sen¬≠schaft¬≠lich gel¬≠ten. Und was wis¬≠sen¬≠schaft¬≠lich ist hilft, immer, in allen Situa¬≠tio¬≠nen und Lebens¬≠la¬≠gen und bei jedem. 

Selbst¬≠verst√§nd¬≠lich ist unter die¬≠sen Voraus¬≠set¬≠zun¬≠gen auch das Beten hil¬≠freich. Fran¬≠cis Gal¬≠ton, der Vater der ¬ę wis¬≠sen¬≠schaft¬≠li¬≠chen Ver¬≠bes¬≠se¬≠rung der Rasse ¬Ľ, der Euge¬≠nik, hat die the¬≠ra¬≠peu¬≠tische Wirk¬≠sam¬≠keit des Betens schon 1872 nach neues¬≠ten wis¬≠sen¬≠schaft¬≠li¬≠chen Metho¬≠den sta¬≠tis¬≠tisch nach¬≠ge¬≠wie¬≠sen. Und 2016 wurde diese Wirk¬≠sam¬≠keit noch¬≠mals von sehr seri√∂¬≠sen Wis¬≠sen¬≠schaft¬≠lern in einer Metas¬≠tu¬≠die best√§¬≠tigt.4 Empi¬≠risch fun¬≠dierte, wis¬≠sen¬≠schaft¬≠liche Bet¬≠the¬≠ra¬≠pie ? Kein Problem. 

Im Bereich des Geistes, im Bereich der geis¬≠ti¬≠gen Gesund¬≠heit ist alles was hilft Wis¬≠sen¬≠schaft. Und umge¬≠kehrt : nur Wis¬≠sen¬≠schaft bringt Hilfe, nur Wis¬≠sen¬≠schaft behebt die St√∂¬≠run¬≠gen des Funk¬≠tio¬≠nie¬≠rens. Und sie tut das auch noch bei gr√∂√ütm√∂¬≠gli¬≠cher Kos¬≠te¬≠nef¬≠fi¬≠zienz. Wis¬≠sen¬≠schaft ‚Äď das w√§re eine zweite wich¬≠tige Qua¬≠lit√§t ‚Äď spart Geld ! Denn wer immer gut funk¬≠tio¬≠niert ist weni¬≠ger krank und kos¬≠tet deshalb auch weniger. 

Die Patien¬≠ten, so for¬≠mu¬≠lie¬≠ren es die psy¬≠cho¬≠the¬≠ra¬≠peu¬≠ti¬≠schen Exper¬≠ten, ver¬≠die¬≠nen die bes¬≠ten Hei¬≠lung¬≠smit¬≠tel die der Markt bie¬≠tet. Und in der Tat funk¬≠tio¬≠nie¬≠ren diese Psy¬≠cho¬≠the¬≠ra¬≠pien nach den¬≠sel¬≠ben ratio¬≠na¬≠len Qua¬≠lit√§ts- und Effi¬≠zienz¬≠kri¬≠te¬≠rien, die auch den Markt selbst bes¬≠tim¬≠men. Gut funk¬≠tio¬≠nie¬≠rende The¬≠ra¬≠pie¬≠mit¬≠tel zur Hers¬≠tel¬≠lung der gut funk¬≠tio¬≠nie¬≠ren¬≠den Men¬≠schen auf dem Markt. Somit d√ľrfte die psy¬≠cho¬≠the¬≠ra¬≠peu¬≠tische Wis¬≠sen¬≠schaft selbst noch den Markt ges√ľn¬≠der ges¬≠tal¬≠ten, indem sie jeden Betrug und jede Hochs¬≠ta¬≠pe¬≠lei als mark¬≠tau¬≠gliche Inef¬≠fi¬≠zienz auslotet.

Damit k√∂n¬≠nen wir jetzt das Men¬≠schen¬≠bild der wis¬≠sen¬≠schaft¬≠lich-kos¬≠te¬≠nef¬≠fi¬≠zien¬≠ten Psy¬≠cho¬≠the¬≠ra¬≠pie nach¬≠zeich¬≠nen. Und dieses Men¬≠schen¬≠bild hat selbst¬≠verst√§nd¬≠lich sei¬≠nen wohl¬≠geord¬≠ne¬≠ten Platz in der pr√§s¬≠ta¬≠bi¬≠lier¬≠ten Har¬≠mo¬≠nie des Marktes : ein gesun¬≠der Mensch ist ein effi¬≠zien¬≠ter Mensch ; ein Mensch, der ohne St√∂¬≠rung funk¬≠tio¬≠niert. Ein gesun¬≠der Mensch ist ein Mensch, der dienstf√§¬≠hig und r√ľs¬≠tig Mehr¬≠wert schafft, seine Steuern zahlt und weder den Staat noch den Arbeit¬≠ge¬≠ber zu viel Kran¬≠ken¬≠geld kostet.

Aber selbst die Welt¬≠ge¬≠sund¬≠heit¬≠sor¬≠ga¬≠ni¬≠sa¬≠tion zeigt sich nicht immer so neo¬≠li¬≠be¬≠ral. Im Kon¬≠text von Fra¬≠gen der Men¬≠schen¬≠rechte ver¬≠mag auch die Welt¬≠ge¬≠sund¬≠heit¬≠sor¬≠ga¬≠ni¬≠sa¬≠tion einen deut¬≠lich dif¬≠fe¬≠ren¬≠zier¬≠te¬≠ren Bli¬≠ck¬≠win¬≠kel auszudr√ľcken.

Im Hand¬≠buch zur psy¬≠chi¬≠schen Gesund¬≠heit liest man zum Bei¬≠spiel, dass ‚Äědie Defi¬≠ni¬≠tion der psy¬≠chi¬≠schen St√∂¬≠run¬≠gen von einer Mehr¬≠zahl von Fak¬≠to¬≠ren abh√§ngt‚Äú.5 Und unter die¬≠sen Fak¬≠to¬≠ren z√§hlt die WGO unter ande¬≠ren ‚Äěsoziale, kul¬≠tu¬≠relle, wirt¬≠schaft¬≠liche und juris¬≠tische Kon¬≠texte in ver¬≠schie¬≠de¬≠nen Gesell¬≠schaf¬≠ten‚Äú auf. 

Weit ent¬≠fernt davon ein medi¬≠zi¬≠nisches oder natur¬≠wis¬≠sen¬≠schaft¬≠liches Fak¬≠tum zu sein, erscheint der Begriff der psy¬≠chi¬≠schen Gesund¬≠heit, und damit auch der Begriff der psy¬≠chi¬≠schen St√∂¬≠run¬≠gen hier als ein kom¬≠plexes Kon¬≠glo¬≠me¬≠rat aus unter¬≠schied¬≠li¬≠chen Misch¬≠ve¬≠rh√§lt¬≠nis¬≠sen, in denen die Wis¬≠sen¬≠schaft ein m√∂gli¬≠cher Fak¬≠tor unter vie¬≠len ist. 

Wei¬≠ter¬≠ge¬≠hend weist du WGO auch darauf hin, dass zahl¬≠reiche ‚ÄěKon¬≠su¬≠men¬≠te¬≠nor¬≠ga¬≠ni¬≠sa¬≠tio¬≠nen‚Äú selbst die Fachaus¬≠dr√ľcke der ‚Äěpsy¬≠chi¬≠schen Kran¬≠kheit‚Äú oder des ‚Äěpsy¬≠chi¬≠schen Patien¬≠ten‚Äú infrage stel¬≠len, da diese das ‚Äěmedi¬≠zi¬≠nische‚Äú Modell der St√∂¬≠run¬≠gen beg√ľnstigen. 

Und sogar der gewollt neu¬≠trale Begriff¬≠ser¬≠satz der ‚Äěpsy¬≠chi¬≠schen St√∂¬≠rung‚Äú scheint selbst der WGO alles andre als klar. Inso¬≠fern die ‚Äěpsy¬≠chische St√∂¬≠rung‚Äú unter einem ein¬≠zi¬≠gen Begriff so ver¬≠schie¬≠denes bezeich¬≠nen soll wie ‚Äěgeis¬≠tige Kran¬≠kheit‚Äú, ‚ÄěRetar¬≠die¬≠rung‚Äú, ‚ÄěPers√∂n¬≠li¬≠ch¬≠keitsst√∂¬≠run¬≠gen‚Äú und ‚ÄěDro¬≠gen¬≠sucht‚Äú erweist sie sich als so unscharf, dass sich nir¬≠gends mehr ein gemein¬≠sa¬≠mer Nen¬≠ner aus¬≠ma¬≠chen l√§sst. Damit f√§llt aber dann sowohl die wis¬≠sen¬≠schaft¬≠liche Relia¬≠bi¬≠lit√§t als die empi¬≠rische Vali¬≠dit√§t des Begriffs.


Notes :

  1. Illich, I. (1999). L‚Äôobsession de la san¬≠t√© par¬≠faite. Abge¬≠ru¬≠fen 22. Februar 2019, von https://‚Äčwww‚Äč.monde‚Äč-diplo‚Äčma‚Äčtique‚Äč.fr/‚Äč1‚Äč9‚Äč9‚Äč9‚Äč/‚Äč0‚Äč3‚Äč/‚ÄčI‚ÄčL‚ÄčL‚ÄčI‚ÄčC‚ÄčH‚Äč/‚Äč2‚Äč855
  2. Roger K. Bla¬≠sh¬≠field u. a., ‚ÄěThe Cycle of Clas¬≠si¬≠fi¬≠ca¬≠tion : DSM‚ÄĎI Through DSM‚ÄĎ5‚Äú, Annual Review of Cli¬≠ni¬≠cal Psy¬≠cho¬≠lo¬≠gy 10, Nr. 1 (28. M√§rz 2014): 25‚Ää‚Äď‚Ää51. 
  3. Kaz¬≠din, A. (2016, June 09). Evi¬≠dence-Based Psy¬≠cho¬≠the¬≠ra¬≠pies. Oxford Research Ency¬≠clo¬≠pe¬≠dia of Psy¬≠cho¬≠lo¬≠gy.
  4. S. Sim√£o, T., Cal¬≠dei¬≠ra, S., & de Car¬≠val¬≠ho, E. (2016). The effect of prayer on patients‚Äô health : sys¬≠te¬≠ma¬≠tic lite¬≠ra¬≠ture review. Reli¬≠gions, 7(1), 11.
  5. Free¬≠man, M., Pathare, S., & World Health Orga¬≠ni¬≠za¬≠tion (Hrsg.). (2005). WHO resource book on men¬≠tal health, human rights and legis¬≠la¬≠tion. Gene¬≠va : World Health Orga¬≠ni¬≠za¬≠tion, S. 20.